2016-09-25

Brennendes Wasser: Wie gefährlich ist Fracking?

Wir hätten natürlich alle ein besseres Gefühl, wenn Deutschland unabhängiger vom russischen Gas wäre. Denn die Angst, dass Putin den Gashahn abdreht, ist bei der aktuellen politischen Lage immer gegenwärtig. Aber sollen wir deshalb auf Fracking zurück greifen, eine Technologie, mit der wir auch in Deutschland mehr Erdgas fördern könnten?

Um dieses Erdgas zu gewinnen, werden über Tiefenbohrungen die Gesteinsschichten mit hohem Wasserdruck aufgebrochen. Das Verfahren ist umstritten, denn die sogenannte Hydraulik-Fracking-Technologie kann zu Verunreinigungen im Grundwasser führen. Besorgnisse und Unsicherheiten bestehen besonders wegen des Einsatzes von Chemikalien und der Entsorgung des während der Bohrungen anfallenden Abwassers. Dieses Lagerstättenwasser kommt als natürliches Wasser aus dem Untergrund, ist aber mit Salzen und teilweise auch mit Schwermetallen belastet.

NDR Panorama Sendung vom 04.09.2014 zum Thema Fracking

Manuskript zu Panorama Sendung Nr. 785 vom 04.09.2014 
Studie des Umweltbundesamts über Fracking

Fracking wird oft mit brennenden Wasserhähnen und vergiftetem Trinkwasser verbunden. Die Bundesregierung wird demnächst einen Gesetzesvorschlag für die Anwendung der Fracking-Technologie zur Erdgasförderung vorlegen. Viele Prozesse sind ungeklärt, die Risiken für Mensch und Umwelt bergen können. Experten beantworten Fragen für Panorama.

Was passiert beim Fracking?

Es wird tief nach unten in den Boden gebohrt bis zwischen dem Trinkwasser und den gashaltigen Gesteinsschichten mindestens tausend Meter liegen. Jetzt beginnt das eigentliche Fracking. Mit hohem Wasserdruck wird das Gestein beschossen und es bilden sich Risse (Fracks). War die Erdgassuche erfolgreich, kann es nun ungehindert strömen. Damit sich die Risse nicht wieder schließen, werden dem Wasser Sandkörner und ein Chemikalienzusatz beigemischt.

Ist Fracken gefährlich für das Trinkwasser?

Unser Trinkwasser gewinnen wir für gewöhnlich aus einer Tiefe von 300 Meter. Viele Geologen halten die schon jetzt geltende Vorschrift von mindestens 1.000 Metern Abstand zwischen Fracking und dem Trinkwasser-Reservior für ausreichend, um das Risiko zu minimieren. In den USA ist es aber schon zu Verunreinigungen des Trinkwassers durch Methan gekommen.

Wie hoch ist das Erdbebenrisiko?

Erdbebenrisiken gibt es bei jedem Eingriff in den Untergrund, besonders beim Kohlebergbau, aber auch beim Öl und der Gasförderung. Laut Professor Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, ist die Erdbebengefahr beim Fracking im Schiefergas aber eindeutig geringer.

Gab es Unfälle in Deutschland?

Bei der Entsorgung des Lagerstättenwassers kam es zu Problemen. An der zentralen Sammelstelle des Abwasser wurden ungeeignete Rohre eingesetzt. Das mit Schwermetallen belastete Lagerstättenwasser sickerte in den Boden. Exxon musste den Boden reinigen und die Rohre austauschen.

Und die brennenden Wasserhähne?

Der brennende Wasserhahn ist die Schlüsselszene aus dem Oscar-nominierten Dokumentarfilm „Gasland“. Fracking soll die Ursache sein. Laut Uwe Dannwolf, Leiter einer Fracking-Studie für das Umweltbundesamt hat das brennende Wasser aus „Gasland“ überhaupt nichts mit Fracking zu tun. Das Gas, was sich dort entzündet hat, sei biogenes Gas, dass aus Mooren oder Torfen an der Oberfläche entsteht.

Was können wir von dem Gesetzesvorschlag erwarten?

Ob das Gesetz strenge Vorgaben machen oder Fracking in größerem Rahmen zulassen wird, weiß man noch nicht. Die Gegner befürchten das Schlimmste. Mehr als 488.000 Menschen haben den online Aufruf „Fracking stoppen“ auf der Kampagnenplattform Campact unterschrieben.

Zur einer möglichen Förderung von Schiefergas in Deutschland sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Ich sehe nicht, dass Schiefergas auf absehbare Zeit eine Zukunft in Deutschland hat, eine wirtschaftliche Zukunft ganz gewiss nicht. Wissenschaftlich kann hier oder da erforscht werden, aber wir werden in wenigen Jahren sehen, ob es unter diesen strengen Voraussetzungen, wie wir sie in Deutschland erlassen werden, überhaupt noch ein wirtschaftliches Interesse daran gibt, das dann wirklich zu versuchen. Ich gehe nicht davon aus.“

21.11.2014 Der Entwurf für das Gesetz zur umstrittenen Gasfördermethode Fracking fällt industriefreundlicher aus als erwartet.

Fracking soll in Deutschland auf ein Minimum begrenzt werden, so sieht es der Gesetzentwurf vor, der nun vorgelegt wurde. Oberste Priorität habe der Schutz von Umwelt und Trinkwasser, sagte Bundesumweltministerin Hendricks (SPD). Der Entwurf sieht vor, dass Fracking in Trinkwasser- und Naturschutzgebieten verboten wird. In anderen Gebieten soll das Verfahren auch oberhalb von 3.000 Metern untersagt werden.

„Wir legen damit die strengsten Regelungen vor, die es jemals gab“Barbara Hendricks

Bisher fehlt eine Regelung für das Verfahren, das die unkonventionelle Förderung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten klärt. Die Große Koalition will das nun ändern. Vor Ende 2018 soll es kein kommerzielles Fracking geben, bei dem das Gestein mit hohem Druck aufgebrochen wird, damit das Gas entweichen kann. Generell erlaubt bleiben soll – unter strengen Auflagen – die bereits seit den 60er Jahren in Deutschland praktizierte konventionelle Gasförderung aus tiefen Hohlräumen.

Der Entwurf soll nun zwischen den Ressorts abgestimmt werden, vom Bundeskabinett wird in diesem Jahr noch keine Entscheidung erwartet.