Die Unsicherheit am Gasmarkt wächst. Der Krieg im Iran treibt die Preise nach oben – und Verbraucher spüren die Sorge um steigende Energiekosten. Noch sind viele Tarife für Neukunden vergleichsweise günstig, doch Experten warnen: Wer jetzt keine Preisgarantie hat, könnte bald deutlich mehr zahlen.
Die Spannungen am Persischen Golf wirken sich direkt auf die Gaspreise aus. Am europäischen Handelsplatz, stiegen die Preise von 32 € pro Megawattstunde am 27. Februar auf bis zu 74 € am 19. März – umgerechnet rund 4,2 Cent pro Kilowattstunde mehr oder 104%.
Laut mehrerer Vergleichsportale haben die Gastarife für Neukunden in dieser Zeit etwa 21% angezogen. Besonders Verbraucher mit auslaufenden Verträgen fragen sich, wie sie ihre Gaskosten for erneuten Preissprüngen sichern können.
Für Haushalte mit bestehenden Verträgen hat die Preisentwicklung zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen, sollte der Krieg schnell beendet werden. Langfristige Verträge enthalten Festpreise, sodass die Börsenbewegungen sich erst verzögert auf die Rechnungen wirken. Dennoch, wer keine Preisgarantie mehr hat, läuft Gefahr einer der ersten Kunden zu sein, die eine Preiserhöhung bekommen.
Aktuell zeigen sich die Tarife für Neukunden noch stabil. Hält das hohe Preisniveau an den Energiebörsen jedoch an, dürfte sich das in den kommenden Tagen auch bei neuen Gasverträgen bemerkbar machen. Ein durchschnittlicher Einfamilienhaushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch zahlt aktuell rund 1.660 Euro pro Jahr. Bei einem Preisanstieg von 20 Prozent wären Mehrkosten von 332 Euro möglich.
Verbraucher können ihre Energiekosten aktiv managen, indem sie jetzt noch Tarife mit Preisgarantie prüfen und gegebenenfalls wechseln. Eine Preisgarantie sichert den aktuellen Gaspreis für ein oder zwei Jahre – unabhängig von Schwankungen an den Großhandelsmärkten.
Wir empfehlen:
Prüfen, wann Ihre bestehende Preisgarantie endet.
Tarife vergleichen und bei günstigen Konditionen sofort wechseln.
Achten Sie auf eine lange Preisgarantie.
Es gibt nicht den einen billigen Gasanbieter, da die Preise stark vom Wohnort und dem individuellen Verbrauch abhängen.
| Platz | Gasanbieter | Tarifname | Preisgarantie | Gesamtpreis (1. Jahr) | kWh-Preis (ct/kWh) |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | immergrün! Energie | Spar Gas FairPlus | 12 Monate | 1.083,99 € | 9,42 ct |
| 2 | EWE | EWE Gas basis klimaGAS | 12 Monate | 1.096,54 € | 9,53 ct |
| 3 | eprimo | eprimo Erdgas klimaGAS | 12 Monate | 1.101,24 € | 9,57 ct |
| 4 | Vattenfall | Easy12 Gas | 12 Monate | 1.111,00 € | 9,66 ct |
| 5 | SachsenEnergie Vers. | Erdgas 12 | 12 Monate | 1.113,99 € | 9,68 ct |
| 6 | eins energie | einserdgas Online | 12 Monate | 1.143,04 € | 9,93 ct |
| 7 | enercity | enercity Gas natürlich garantiert klimaGAS | 12 Monate | 1.162,74 € | 10,11 ct |
| 8 | Brillant Energie | Brillant Gas Natur 24 klimaGAS | 24 Monate | 1.164,57 € | 10,13 ct |
| 9 | E.ON | E.ON Erdgas 24 klimaGAS | bis 31.03.2028 | 1.166,67 € | 10,14 ct |
| 10 | Grünwelt Wärmestrom | Gas Bonus 24 klimaGAS | 24 Monate | 1.167,93 € | 10,15 ct |
Deutschland bezieht inzwischen einen erheblichen Anteil seines Erdgasbedarfs über den internationalen LNG-Handel, unter anderem indirekt aus Katar. Flüssiggas wird durch die strategisch wichtige Straße von Hormus transportiert – eine Region, die derzeit durch den Iran-Krieg instabil ist.
Schon die Androhung einer Blockade reicht aus, um die Märkte nervös zu machen. Zusätzlich hat der LNG-Produzent QatarEnergy seine Produktion vorübergehend gestopt. Lieferverzögerungen und Unsicherheiten treiben die Preise an den Börsen und wirken sich mittelfristig auch auf die Endverbraucherpreise aus.
Der TTF-Terminkontrakt an der Amsterdamer Börse schoss zeitweise um mehr als 30 Prozent auf 74 Euro – den höchsten Stand seit Januar 2023. Auslöser: Iranische Raketenangriffe auf Flüssiggasanlagen in Ras Laffan, Katars Energiezentrum rund 80 Kilometer nördlich von Doha. QatarEnergy meldete schwere Schäden und Brände an mehreren LNG-Anlagen. US-Präsident Trump drohte daraufhin mit der vollständigen Zerstörung des iranischen Gasfeldes South Pars. Warum die Märkte zittern
Das betroffene Gasfeld – auf iranischer Seite South Pars, auf katarischer North Field – ist das größte der Welt. Die geschätzten Reserven von 51 Billionen Kubikmeter könnten den globalen Bedarf 13 Jahre lang decken. Katar hält rund zwei Drittel davon und ist über seinen Staatskonzern QatarEnergy mit 77 Millionen Tonnen Jahreskapazität der weltweit führende LNG-Produzent. Ras Laffan fungiert als zentrales Verschiffungsdrehkreuz in die globalen Absatzmärkte – über die strategisch bedeutsame Straße von Hormus.
Monate oder Jahre Ausfall möglich
„Wir steuern geradewegs auf ein katastrophales Gaskrisen-Szenario zu", warnt Saul Kavonic, Analysechef bei MST Marquee. Lieferunterbrechungen könnten je nach Schadensausmaß über Jahre anhalten.
Besonders brisant: Das geplante Erweiterungsprojekt North Field sollte Katars LNG-Kapazität bis 2027 von 77 auf 126 Millionen Tonnen jährlich – ein Plus von 85 Prozent – ausbauen und gilt laut IEA als einer der wichtigsten Wachstumstreiber des globalen LNG-Angebots. Die Zukunft dieses Milliardenprojekts ist nun offen.
Zur Erklärung:
Die Unsicherheit im Nahen Osten zeigt, wie sensibel Gaspreise auf geopolitische Ereignisse reagieren. Während bestehende Verträge kurzfristig schützen, sollten Verbraucher mit auslaufenden Preisgarantien aktiv werden. Ein frühzeitiger Wechsel zu einem Tarif mit Preisgarantie kann helfen, Kosten zu sichern und die Haushaltsplanung zu erleichtern.
Gefährlicher als Ölpreisanstiege ist derzeit die Lage am Gasmarkt. Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist Deutschland stark auf Flüssiggas (LNG) aus den USA angewiesen – 94 Prozent des deutschen LNG-Imports kommen von dort, geliefert über Terminals in Deutschland oder über die Niederlande und Belgien. Pipelines aus Norwegen liefern nach wie vor den größten Teil des Erdgases.
Gelangt LNG aus wichtigen Exportländern wie Katar vorübergehend nicht auf den Weltmarkt, sinkt das Angebot deutlich, und die Preise steigen. Experten warnen: Sollte die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, könnten die Gaspreise in Europa wieder auf das extrem hohe Niveau von 2022 klettern.